{"id":38,"date":"2019-06-06T21:04:58","date_gmt":"2019-06-06T21:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/sail-mirella.de\/?p=38"},"modified":"2019-11-06T21:15:32","modified_gmt":"2019-11-06T21:15:32","slug":"die-vorgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sail-mirella.de\/?p=38","title":{"rendered":"Die Vorgeschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00e4rz-April 2019<\/strong><\/p>\n<p>Es ist die Idee entstanden eine Kielyacht zu erstehen, die f\u00fcr die Firma als Refit-Projekt genutzt werden kann, um zu zeigen, was man aus einer \u00e4lteren Yacht machen kann, was technisch heute m\u00f6glich ist, um auch ein Boot aus den 70er oder 80er Jahren aktuelle Nutzungsm\u00f6glichkeiten zu geben.<\/p>\n<p>Man kann ja mal spinnen und mal ein wenig im Netz schauen. Da ich ein wenig Skandinavien-lastig bin und gerade \u00e4ltere Boote dort oft auch g\u00fcnstig zu bekommen sind (allerdings muss man dann auch immer ein Refit mit einkalkulieren, Skandinavier sehen Boote als Nutzobjekt an, Pflege meist nur auf minimalsten Niveau. (Habe ich schon fr\u00fch gelernt, als ich gebrauchte Boote in Schweden kaufte und nach Deutschland importierte. Am Telefon die Frage von mir: \u201eist das Boot im guten Zustand?\u201c Antwort: \u201e ja, total. Immer alles gemacht!\u201c Super, hochgefahren, Boot angeschaut, hmmm, naja, total ausgekreidet, Schrammen, alles ein wenig Schnuddelig\u2026 Frage an den Verk\u00e4ufer: \u201eDu sagtest doch, das Boot ist im guten Zustand?\u201c\u00a0 Antwort: \u201eist es doch, alle Beschl\u00e4ge, Leinen etc Ok, was meinst Du?\u201c hmm:\u00a0 \u201eDu kennst doch die Deutschen und Ihr Auto?\u201c der Schwede, \u201eja, nat\u00fcrlich\u201c- kurzes \u00dcberlegen-, \u201e jetzt wei\u00df ich was Du meinst, jede Woche waschen und polieren (lacht).\u201c Ich, ja genau (lache mit). Ja so sind wir Schweden nicht\u2026.. Danach wei\u00df man dann, worauf man sich einl\u00e4sst ein schwedisches Schiff zu kaufen, mit viel Eigenarbeit kann man aber schon Geld sparen.<\/p>\n<p>Naja zur\u00fcck zu 2019: Ich schaute also auf verschiedenen Plattformen, Schiffe ab 10meter L\u00dcA, sollte ja auch ein wenig Platz unter Deck bieten, gerne auch schnell, X-119, Beneteau first, Albin Yachten, aber auch einige Regatta One Offs waren durchaus im Budget aber eher am oberen Rand bis leicht dar\u00fcber. Alles auch nicht so richtig z\u00fcndend. Und dann kam SIE, ein echter 9er von 1905, 13,50m L\u00fcA inkl. Kl\u00fcverbaum, bei 2,60m Breite, wenig Freibord, sch\u00f6nes Naturholz an Deck und Aufbau. Erst mal ein wenig Spa\u00df gemacht: \u201ehier, schau mal, das w\u00e4re doch mal was\u2026\u201c Angeschaut, dann weiter gesucht. Dann immer wieder auf die Annonce zur\u00fcck gekommen.<\/p>\n<p>Hmm, mal Kontakt aufnehmen, nette Mai mit noch mehr Fotos und ein Expos\u00e9 \u00fcber die Geschichte des Schiffes, eine paar Mails hin und her. Das Boot hat ja nur wenig Freibord, was hat denn die Kaj\u00fcte f\u00fcr eine Stehh\u00f6he? Gut 2m (hmm, wie geht das denn?) Segelbilder sehen auch ganz imposant aus.<\/p>\n<p>Ist ja bald Pfingsten, k\u00f6nnte man ja mal einen Ausflug nach Stockholm machen. Gesagt, getan, mit den Verk\u00e4ufern verabredet, ja Pfingsten Sonntag sind sie da, kein Problem, einer der Eigner hat auch eine G\u00e4stewohnung, direkt um die Ecke, perfekt.<\/p>\n<p><strong>Pfingstsamstag<\/strong> dann nochmal kurz in die Firma, Bus packen. Sturm auf die Pier, Lorenz und Julian sind auch da, lass uns schnell nochmal das Boot an der Pier rauskranen, leichter gesagt als getan, so wie das an den Leinen h\u00fcpft, aber auch das klappt und um 12 Uhr k\u00f6nnen wir endlich los.<\/p>\n<p>Die Fahrt geht \u00fcber die D\u00f6rfer nach Puttgarden, in Selent wird noch R\u00e4ucherfisch beim Fischer gekauft, wir sind die letzten Kunden, dann gleich erstmal Pause, R\u00e4ucherfisch und selbstgebackenes Brot, Sicht auf den See, herrlich, der Urlaub hat begonnen (es ist 13 Uhr ).<\/p>\n<p>\u00dcber Puttgarden-R\u00f6dby und Helsingborg-Helsing\u00f6r geht es bis zum V\u00e4ttern See wo wir \u00fcber Nacht stehen bleiben und im Bus \u00fcbernachten.<\/p>\n<p><strong>Pfingstsonntag<\/strong> dann die letzten 2,5 Stunden nach Stockholm, direkt im Zentrum am M\u00e4llaren (Binnensee) liegt Sie, bei der Fahrt \u00fcber die Br\u00fccke zur kleinen (sehr kleinen Insel) in Stockholm liegen schon links und rechts Unmengen an Holzschiffen, Rechts Motorboote, links Segelboote, eine Augenweide.<\/p>\n<p>Treffen auf dem Gef\u00e4ngnis Parkplatz, naja ehemaliges Gef\u00e4ngnis, heute Hotel und Jugendherberge, hier waren wir schon vor 12 Jahren mal bei einem Stockholmbesuch einquartiert, nun ist dies Treffpunkt mit einem der Verk\u00e4ufern, die Welt ist klein\u2026\u2026<\/p>\n<p>Ein kleiner Fu\u00dfmarsch und wir sind da. Da liegt Sie am Steg, ein bisschen pausb\u00e4ckig, aber Majest\u00e4tisch. Der Bugspriet ragt bis auf die Br\u00fccke, \u00fcber diesen steigen wir auf, geht einfacher als gedacht, dann stehen wir an Deck. Was gleich auff\u00e4llt: die ganzen Lackoberfl\u00e4chen sehen deutlich schlechter aus als auf den Fotos, lediglich das Kaj\u00fctdach sieht frisch lackiert aus. Kurze Nachfrage beim Verk\u00e4ufer, ja die Bilder seien von 2004\u2026\u2026hmm, naja erst einmal fertig anschauen.<\/p>\n<p>Wir schauen viel zusammen an, dann fragt der Verk\u00e4ufer ob wir bleiben wollen, dann k\u00f6nnten wir in Ruhe schauen. Das tun wir dann, alle Bodenbretter kommen hoch, Planken, Spanten, Kielsohle, Bodenwrangen werden ausgiebig gepiekt Das ganze Boot ist im original Holz, lediglich ein Bereich im Bug und die oberste Planke am Rumpf sind mal neu gekommen. Eigentlich alles noch knochenhart, OK, 1-2 Bodenwrangen sind im unteren Bereich au\u00dfen etwas weicher, aber auch nur 12 cm tief, danach ist es sprichw\u00f6rtlich deutsche Eiche, und davon reichlich. Erstaunlich eben das der Rumpf aus oregon Pine (fast) ebenso hart ist. Das Boot ist von innen auch trocken, OK ein wenig Wasser im Bilgepumpenbereich, die Pumpe springt nach 2 Stunden das erste mal an, f\u00f6rdert 1-1,5 liter Wasser raus, auch nicht wirklich viel.<\/p>\n<p>Das erstaunlichste: wirklich 2 m Stehh\u00f6he, man steht halt gut einen Meter unter Wasser dann Kaj\u00fctdach 1 m \u00fcber Wasser, schon ist die Stehh\u00f6he da, das Skylight gibt viel Tageslicht ins innere, kein dunkles Traditionsschiff, ein helle freundliche Kaj\u00fcte empf\u00e4ngt uns. Urig, nat\u00fcrlich, 114 Jahre\u00a0 Geschichte.<\/p>\n<p>Trotzdem sind wir Beide anf\u00e4nglich unsicher, irgendwie anders vorgestellt, \u00a0gut, nach ein paar Stunden genug gesehen, erstmal zum 2. Eigner, der hat die Wohnung f\u00fcr usn.\u00a0 3 Minuten mit dem Auto, 10 Minuten zu Fu\u00df, das ist wirklich um die Ecke.<\/p>\n<p><strong>Pfingstmontag<\/strong><\/p>\n<p>Nach ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck auf der Dachterrasse des Hauses in dem wir wohnen treffen wir uns um 11 zum Probesegeln, ein Abenteuer wie sich noch rausstellen soll. Wir kommen an Bord, und Stephi und ich sagen hinterher unabh\u00e4ngig voneinander, da wussten wir, \u00a0wir wollten Sie.<\/p>\n<p>Gut, erst einmal Seeklar machen, Segelkleider ab, Motor starten, der MB7a von 1974 kommt nach l\u00e4ngerem nudeln, l\u00e4uft etwas holprig,\u00a0 aber der Eigner wei\u00dft an die Leinen u l\u00f6sen, wir\u00a0 gehen R\u00fcckw\u00e4rts von der Br\u00fccke weg, Wind kommt von vorne frisch, da meint der Motor erstmal wieder Pause zu brauchen, aus, wir treiben mit 23\u00a0 Knoten auf die Boote der n\u00e4chsten Br\u00fccke zu. Mir gelingt es eine Mooringtonne und deren Leine zu schnappen und die fahrt etwas zu Bremsen, Stepi h\u00e4lt vorne ab, trotzdem kollidieren wir noch leicht mit einer Yacht. Der Eigner ist nat\u00fcrlich aufgeregt und erkl\u00e4rt, das der Motor vor 2 Wochen unter Wasser stand, da wohl die Lenzpumpen nach dem zu Wasser lassen ausgefallen w\u00e4re und das ganze Boot etwas tiefer lag (sp\u00e4ter wissen wir was mit den Lenzpumpen ist, aber dazu sp\u00e4ter). Aber der Motor w\u00e4re von ihnen und Volvoservice \u00fcberholt worden, w\u00fcrde also laufen. Wir besprechen eine Taktik wie wir Mirella aus diese misslichen Lage befreien, er startet den Motor, wir ziehen Mirella an Booten und Steg l\u00e4ngs, wobei ich an Land bleibe und abhalte, eine Leine einer Yacht l\u00f6se und wieder dicht ziehe. Ich dachte Lasse w\u00fcrde uns erst einmal wieder auf den Liegeplatz bringen m dann den Motor zu testen, er hatte aber mehr vor, fuhr raus aus den Br\u00fccken, und der Motor ging wieder aus. Er dr\u00fcckte Stephie die Pinne in die Hand, hier Steuer mal, sprang selbst zum Motor und versuchet alles m\u00f6glich zum diesen zum Leben zu erwecken, Fehlanzeige. Stephie blieb nur vor dem Wind den engen Kanal runter zu steuern, Ihr war aber schnell klar, d vorne ist die Stra\u00dfenbr\u00fccke \u00fcber den Kanal, ca. 4m hoch, nichts f\u00fcr Mirella.<\/p>\n<p>Kurze Frage an Lasse, das sah er auch so, griff beherzt zum Steuer und legte einen sehr akzeptablen Anleger am Mastenkran hin.<\/p>\n<p>Uff, ganz sch\u00f6n aufregend. Auch mit Startpilot k\u00f6nnen wir den Motor nicht zum laufen bringen, d.h. so lange Startpilot kommt l\u00e4uft der Motor, ohne geht er fast sofort aus. Meine Diagnose: Probleme mit der Sprit Versorgung\/Vergaser (stellt sich sp\u00e4ter als richtig raus). Aber da man ja im Urlaub ist muss man mal nicht gleich alles selber zerlegen. Nun kommt allerdings auch Neugierde bei Lasse und Tomas (den Verk\u00e4ufern) auf, ob wir denn wirklich Interesse haben?<\/p>\n<p>Haben wir, aber der Zustand der laut den Bildern sehr sch\u00f6n war ist halt jetzt eher auf Erhaltung damit es nicht Schaden nimmt, sprich zum Gl\u00fcck sind Lacksch\u00e4den immer ausgebessert worden, dadurch wenig schwarze Stellen, aber au\u00dfer dem Kaj\u00fctdach ist wohl alles mindestens vor 15 Jahren zuletzt \u00fcberholt worden, viele Teile (vorne, Cockpit) auch deutlich l\u00e4nger nicht, sprich wir wissen, es kommt viel Arbeit auf die Firma zu, sollten wir dieses Schiff erwerben, denn es soll ein Schmuckst\u00fcck werden, Klassikertreffen und Regatten wollen wir als Werbeplattform nutzen. Aber Stunden sind teuer und damit stimmt der Preis nicht mehr den wir laut Bildern erstmal in der richtigen Region sahen. Dies teilen wir Lasse so mit, der nicht gl\u00fccklich, aber auch nicht unverst\u00e4ndlich wirkt.<\/p>\n<p>Wir verbringen noch 2 wundersch\u00f6ne Tage in Stockholm (in denen wir auch mit Tomas die Mirella wieder an Ihren Platz bringen), genie\u00dfen die Aussicht von unserer herrlichen Dachterrasse, schauen auch ein wenig Stockholm an, und sind noch \u00f6fters auf dem Boot, um zu \u00fcberlegen, was man \u00e4ndern kann und muss.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckreise geht in einem St\u00fcck, wir sind sicher das wir Mirella haben wollen, wissen aber auch das der Preis stimmen muss, soll es f\u00fcr uns tragbar sein. Wir haben ein Angebot abgegeben bevor wir fuhren, es ist schwer so etwas zu sagen wenn man die Leute so gerne mag, aber wir haben schon viele Kunden erlebt die Zuviel bezahlt haben, weil die Freude auf etwas zu gro\u00df war, der Reparaturstau kleingeredet wurde etc.<\/p>\n<p>Ein paar Wochen Mailverkehr hin und her und der Vertrag ist unterzeichnet, Anzahlung get\u00e4tigt, Mirella ist unsere (wenn bei \u00dcbergabe der Motor verl\u00e4sslich l\u00e4uft).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rz-April 2019 Es ist die Idee entstanden eine Kielyacht zu erstehen, die f\u00fcr die Firma als Refit-Projekt genutzt werden kann, um zu zeigen, was man aus einer \u00e4lteren Yacht machen kann, was technisch heute m\u00f6glich ist, um auch ein Boot aus den 70er oder 80er Jahren aktuelle Nutzungsm\u00f6glichkeiten zu geben. 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